
Foto: Carina Bittner (Care Forward), Jasmin Zembrod (AdG), Juliane Georgi (AdG) und Jule Lotz (Care Forward) vor dem Hauptgebäude der AdG.
Die berufliche Anerkennung in Deutschland ist für internationale Pflegefachkräfte eine große Herausforderung. Sie erfordert nicht nur die Erfüllung bürokratischer Hürden, sondern vor allem ein Umfeld, das die persönlichen Hintergründe und Bedürfnisse der Teilnehmenden ernst nimmt. Care Forward arbeitet deshalb eng mit der Akademie der Gesundheit (AdG) zusammen.
Für unseren Blogartikel haben wir mit Jasmin Zembrod gesprochen. Jasmin ist Pflegefachkraft, Pflegepädagogin und mittlerweile Geschäftsleitung für das Zentrum für internationale Berufsanerkennung der AdG. Sie kennt die Themen Anerkennung, Integration und Begleitung wie kaum eine andere und betont: „Das Wichtigste ist, dass man den Menschen sieht. Hier kommen nicht einfach Pflegefachkräfte. Als erstes sind das Menschen, die ihr Land verlassen und weit weg gehen, oft für lange Zeit oder für immer.“
Wer den Campus Berlin-Buch betritt, merkt sofort: Das ist kein gewöhnlicher Lernort. Zwischen alten Bäumen und charmanten Backsteinbauten liegt die Akademie der Gesundheit: ruhig, offen, freundlich. In den hellen Räumen begrüßt ein Namensschild jede Pflegefachkraft persönlich. Ein kleines Detail, das zeigt: Hier geht es nicht nur ums Lernen, sondern ums Ankommen.
Diese Umgebung ist ein bewusst geschaffener Safe Space und essenziell für das Lernen. Jasmin beschreibt es so: „Das Ankommen, das Wohlfühlen und vor allem das Sicherfühlen sind mit das Wichtigste. Die Teilnehmenden brauchen einen sicheren Ort, vor allem in der Einrichtung, in der Praxis. Sie müssen lernen, dass man Ängste äußern darf und auch zugeben darf, wenn man etwas nicht weiß.“
Gerade diese Sicherheit ist entscheidend, um den Fokus aufs Lernen zu lenken. Die Präsenzkurse, die die AdG für Care Forward ausrichtet, sind individuell zugeschnitten und bieten unseren Kandidatinnen und Kandidaten optimale Vorbereitung, um die Kenntnisprüfung erfolgreich zu bestehen.
Die AdG hebt sich strukturell ab, indem sie ein eigenes Zentrum und ein dediziertes Kolleg*innenteam für die internationale Berufsanerkennung aufgebaut hat. „Wir machen nichts anderes“, betont Jasmin. „Das hat natürlich Vorteile: Man kennt sich besser aus, weiß um die Schwierigkeiten der Teilnehmenden und kann viel gezielter arbeiten.“
Zum Team gehören neben ihr auch Juliane Georgi, die als Koordinatorin und Bereichsleitung Sachbearbeitung die Organisation und Prozesse steuert. Einige Mitarbeitende waren selbst einmal Teilnehmende – ein Faktor, der laut Jasmin viel Vertrauen schafft: „Das ist schön, weil die Pflegefachkräfte sich dadurch anders öffnen können.“
Die Klassen sind meist heterogen zusammengesetzt: „Ich finde das total hilfreich“, sagt Jasmin. „Dann müssen alle auf Deutsch kommunizieren, während des Unterrichts, in Gruppenarbeiten, aber auch in der Pause. So wird Integration wirklich gelebt.“ Gleichzeitig fördert die Vielfalt auch das Miteinander: „Man schaut oft auf die Unterschiede, aber eigentlich haben wir total viele Gemeinsamkeiten. Und wenn jemand was anderes mitbringt, bereichert das das Team.“
Die Akademie der Gesundheit legt großen Wert darauf, dass internationale Pflegefachkräfte nicht nur fachlich vorbereitet, sondern auch persönlich begleitet werden. „Unsere Teilnehmenden sind alle super motiviert“, erzählt Jasmin. „Aber sie bringen ganz unterschiedliche Rucksäcke mit: Erfahrungen, Prägungen, Geschichten. Und manchmal ist der Kopf so voll mit anderen Dingen, dass sie einfach Zeit brauchen. Diese Zeit müssen wir ihnen geben.“
Präsenzkurse spielen dabei eine zentrale Rolle. „Es gibt einen Grund, warum wir absolut überzeugt sind, dass Präsenz das Richtige ist“, erklärt Jasmin. „In Präsenz öffnen sich die Teilnehmenden mehr, sie können uns direkt fragen, das ist ein ganz anderes Miteinander.“
Auch die Praxisphase ist entscheidend: „Pflegefachkräfte dürfen nicht von Anfang an als Arbeitskraft eingeplant werden. Sie müssen zu Beginn mitlaufen und zwar mit Pflegefachkräften, nicht mit Pflegeassistenten. Nur so können sie wirklich verstehen, wie Pflege hier funktioniert.“ Dabei sei eine regelmäßige, zugewandte Praxisanleitung unerlässlich. „Wichtig ist: Es reicht nicht, dass ich etwas einmal zeige. Das muss wiederholt werden“, so Jasmin. „Und nur weil jemand am Anfang eine Sprache nicht perfekt spricht, heißt das nicht, dass er weniger kann. Das dürfen wir nie vergessen.“
Ein großes Thema in Jasmins Arbeit ist der kulturelle Unterschied in Kommunikation und Hierarchie. „In manchen Ländern bedeutet Fragen zu stellen, dass man etwas nicht weiß – das ist mit Gesichtsverlust verbunden“, erklärt sie. „Hier müssen sie erst lernen, dass es erlaubt und sogar gewünscht ist, Fragen zu stellen. Ich sage immer: Ich bekomme Geld dafür, dass ihr mich fragt, also löchert mich mit Fragen!“
Gleichzeitig richtet sie auch den Blick auf die deutschen Kolleginnen und Kollegen: „Oft haben sie Angst, dass sie vielleicht was nicht wissen. Dabei kann man so viel voneinander lernen. Die Kompetenzen der internationalen Pflegefachkräfte, zum Beispiel in der Pflegediagnostik, werden oft gar nicht gesehen, obwohl sie enorme Fachkenntnisse mitbringen.“
Die AdG plant, künftig noch stärker Themen wie Ankommen, Willkommen und Integration in den Mittelpunkt zu rücken. „Bildung ist wichtig“, sagt Jasmin, „aber wir wollen auch Begegnung schaffen. Räume, in denen Teilnehmende sich austauschen und gegenseitig unterstützen können.“
Gleichzeitig wünscht sie sich, dass die systemischen Rahmenbedingungen angepasst werden: „Auszubildende haben ein Recht auf 10 % Praxisanleitung. Für internationale Pflegefachkräfte gibt es das nicht. Dabei wäre genau das so wichtig.“
Ihr Fazit ist klar und menschlich: „Rekrutierung ist alles gut und schön, aber die Menschen müssen sich hier wirklich wohlfühlen. Wenn das Drumherum nicht stimmt, bringt die beste Anerkennung nichts.“
Die Partnerschaft zwischen Care Forward und der Akademie der Gesundheit zeigt: Anerkennung, Qualifizierung und Integration können nur gemeinsam gelingen. Indem der Mensch im Mittelpunkt steht, der Campus als sicherer Lernort dient und Vielfalt als Bereicherung gesehen wird, werden internationale Pflegefachkräfte optimal unterstützt – für ihre persönliche Zukunft, die Zukunft der Einrichtungen und die Qualität der Pflege in Deutschland. Angesichts des Fachkräftemangels ist Jasmin Zembrod überzeugt: „Qualität geht vor Geschwindigkeit.“